Ustica 27.9. - 6.10.2013

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Hafen


Den Freitag widmeten wir ganz der Anreise. Um 4.45 Uhr besammelten wir uns im Flughafen Zürich. 11 Taucher und 7 Nichttaucher machten sich auf den Weg nach Ustica, einer kleinen Insel nördlich von Sizilien.
Nach erfolgreichem Check-in sassen wir schon bald im Flugzeug Richtung Süden. In Palermo angekommen, empfing uns das mediterrane Klima und Ferienluft – „sapore di sale, sapore di mare“. Dort war durch die Stadt schlendern und das krampfhafte Suchen nach einem Restaurant angesagt, indem wir bereits das erste, schwer verdiente Geld liegen liessen. Einige waren nach dem reichhaltigen Essen erschöpft und warteten auf ihrem Gepäck liegend auf das Schnellboot, das uns in 1,5 Stunden nach Ustica führte. Paolo und Ann nahmen uns herzlich in Empfang und fuhren uns mit gekonnten Manövern durch engste Gassen Richtung Unterkunft des Profondo Blu Resorts. Ann teilte uns die Appartements zu und wir kamen einen Moment lang zur Ruhe. Um 20.00 Uhr gab es pünktlich wie jeden Abend ein ausgiebiges Nachtessen auf der Basis von Fisch.

Am nächsten Morgen nach einer verdienten Mütze Schlaf und einem kleinen Frühstück machten sich Chregi, Fredy, Roger, Vosi, Jack, Karin, Eveline und ich mit beinahe schweizerischer Pünktlichkeit und unserem Tauchgepäck Richtung Boot auf. Das Tauchmaterial blieb die ganze Woche auf dem Schiff und konnte dort sogar mit Süsswasser ausgespült werden.
Jeden Morgen und Nachmittag war tauchen angesagt. In zwei Niveaugruppen machten wir uns durch Grotten, um Felsen und durch Canyons auf Entdeckungsreise im Mittelmeer. Neben Ann und Paolo begleiteten auch Marco und Beppe diverse Tauchgänge.
Im ersten Tauchgang gelang es mir kaum mich zu konzentrieren und die Fische zu entdecken. Die Aufregung war zu gross und der Luftverbrauch dementsprechend. Ich musste mich erst an die neue Umgebung gewöhnen, an die unbekannten Farben, die weite Sicht und die riesigen Fische. Doch bereits am zweiten Tag war die Sache viel entspannter. Mit der Zeit entwickelte ich auch das Gespür dafür, wo es etwas zu sehen gab. Mich beeindruckten die formschönen Barrakudas und die gemütlichen Zackenbarsche. Es gelang mir sogar eine Moräne zu entdecken. Ein amüsantes Bild bietet sich, wenn man in einer Höhle eine Schar Garnelen anleuchtet. Lauter kleiner Augen schwirren nervös umher.
Am Freitag gab es zusätzlich einen Nachttauchgang. Trotz leichter Ohrenschmerzen wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Wie zu erwarten, war es auch unter Wasser stockdunkel. Neu waren die unzähligen Lampen. Im See sind wir immer nur zu zweit unterwegs. Wer ist wer? Welches ist mein Guide Marco? Einen Moment lang hatte ich ihn aus den Augen verloren. Im Nachttauchgang haben mich die Sepien besonders in den Bann gezogen.
Die ganze Woche hat mich um etliche Erfahrungen reicher gemacht.

Die Nichttaucher konnten es morgens ein wenig gemütlicher nehmen. Doris, Carla, Gisela, Ramiz und ich blieben am Frühstückstisch sitzen, schauten dem Gehetze der Taucher zu und besprachen dann ganz in Ruhe, was der neue Tag bringen sollte.
Am Samstagmorgen marschierten wir nach Osten los Richtung Städtchen, da wir mit den Tauchern zum Mittagessen verabredet waren. Doch obwohl auf der Karte der kleinen Insel kaum Strassen eingezeichnet waren, schafften wir es, eine Abzweigung zu verpassen. Wir landeten bei der Kläranlage und gönnten uns eine ausgiebige Rauchpause. Denn man bedenke - es war heiss. Wir fanden das Städtchen dann noch rechtzeitig um die Taucher am Hafen zu empfangen. Am Nachmittag wagten wir uns an einen Wanderweg entlang der Südküste der Insel. Das Wagnis zeigte sich aber erst mit der Zeit, da die brütende Hitze uns zu schaffen machte, der Weg einfach nicht enden und der auf der Karte eingezeichnete Leuchtturm nicht auftauchen wollte. Doch wir gaben nicht auf und erreichten unser Ziel. Mit einem kühlen Getränk in der Hand, die Füsse im Meer und 60er-Jahre-Musik im Hintergrund liessen wir in einer gemütlichen kleinen Bucht die Seele baumeln. Bis plötzlich ein lauter Schrei uns durch Mark und Bein schoss. Gisela wurde von einem Riesenkrebs attackiert. Dieses traumatische Erlebnis begleitete uns nun die ganze Woche und Giselas Füsse sahen kein Meerwasser mehr.
Am Sonntagmorgen gingen wir nach Westen los – einmal rund um die Insel. Somit hatten wir die Insel am zweiten Tag bereits im Griff. Von Tag zu Tag wurden die Wanderer einmal mehr, einmal weniger. Dabei begegneten sie Hunden, Kaninchen und gar Schlangen. Sie erreichten eine Burg, Leuchttürme, eine Grotte, eine meteorologische Station, Buchten, Steilhänge und kleine Kiesstrände. Der harte Kern bestand aus Doris und Carla, die sich jeden Tag eine neue Route ausdachten. Wer im Ressort blieb, beschäftigte sich mit Waschen, Sudokus lösen, Scooter fahren, Pool mit Wasser füllen, für den Sprungturmtest trainieren, Zähne mit Nivea putzen, ins Städtchen spazieren oder schlafen. 

Die Familie Zehnder hatte sich am Freitag zwar mit uns auf den Weg gemacht, verbrachte dann aber zwei Tage auf Sizilien und traf am Sonntagabend im Ressort ein. Mit Wädi, Giulia und Samuel wuchs die Tauchertruppe um drei Leute. Zu den Nichttauchern kamen Irene und Ena dazu. Auf die Jüngste wartete ein ganzer Streichelzoo bestehend aus Katzen, Hunden und Eseln.

Am Montagabend kam eine Gruppe russischer Taucher im Resort an. Die Vorfreude war gross. Auf dem Boot wurde es nun enger und hektischer.

Der Mittwoch brachte Abwechslung. Am Morgen wagte sich die gesamte Nichttaucher-Crew aufs Meer hinaus. Ein hübscher Sizilianer fuhr uns mit seinem Schlauchboot der Südküste entlang in diverse Grotten. Er erwies sich auch als geübter Reiseführer, da er zu jedem Plätzchen etwas zu erzählen wusste. Wir entdeckten nebst den Grotten, Felsen in Form von einem Bärenkopf oder Stierhörnern. In die Grotta Pastizza konnten wir zwar nicht hineinfahren, aber doch hineinschwimmen. Begleitet durch unseren italienischen Gigolo wagten sich Carla, Ramiz und ich durch einen Spalt in der Felswand in die Grotte zu schwimmen. In der Grotte erschien uns der Schutzheilige der Insel, der heilige Bartholomäus.
Über Mittag, die Taucher waren gerade am Mittagstisch, erreichte sie die plötzliche Nachricht, dass Vossi in die Dekompressionskammer muss. Niemand wusste, was genau los war und die Verunsicherung war gross.
Am Nachmittag war für einzelne Taucher der erste Landgang. Roger, Chregi und Fredy begleiteten ihre Frauen auf dem „sentiero del mezzogiorno“, dem langen, heiss beschienenen Wanderweg entlang der Südküste, mit dem wir bereits am ersten Tag Bekanntschaft gemacht hatten.

In Erinnerung bleiben mir sicher die ausgediegenen Nachtessen unter dem Strohdach – das Herz des Resorts. Wie eine grosse italienische Familie sassen wir mit den Mitarbeitern zusammen am Tisch. Es wurde geplaudert, gegessen und vom Tag erzählt. Roger, Jack und Wädi präsentierten ihre Fotos und Videos aus der Unterwasserwelt. Die unzähligen Katzen freuten sich auf unsere Reste. Von oben schauten uns die Geckos zu und versuchten ebenfalls irgendetwas Essbares zu ergattern. Die grausige Vorstellung es könnte mal ein Gecko runterfallen, hat sich nicht bewahrheitet, doch Chregi musste die Erfahrung mit einer Gecko-Kot-Attacke machen.

Abreise

Ein Tag früher als geplant ging es zurück nach Sizilien. Da bei starkem Wind die Insel nicht mehr verlassen werden kann, legte uns Paolo ans Herz, Ustica rechtzeitig zu verlassen. Er organisierte uns eine Unterkunft in Palermo, so konnten wir Palermo noch von einer anderen Seite kennenlernen.

Essen

Die Rückreise mit Air Berlin kam nicht wie geplant. Bereits beim Einchecken wurde uns eine beträchtliche Verspätung vorausgesagt. Genervt verbrachten wir gefühlte zehn Stunden im Flughafen. Als es endlich losging, war unsere Erleichterung bestimmt in ganz Palermo zu hören. 

Bericht: Liridon und Barbara
Fotos: Carla, Jack, Roger, Wädi

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