TGH Bootstauchen am Pfingstmontag 2017

Zurück | Übersicht | Weiter >

Auf der Suche nach der Black Pearl

Die Wetterprognosen sind seit Tagen bescheiden, in der Woche vor dem Pfingstwochenende gibt es am Abend in der Region um Luzern immer wieder ein – mehr oder weniger heftiges – Gewitter und am Sonntag bin ich nicht gerade optimistisch: Findet das Bootstauchen am Montag tatsächlich statt? Es würde mich nicht wundern, wenn noch eine Mail oder SMS kommen würde: «Wetter unsicher. Bootstauchen abgesagt.» Am späten Nachmittag bin ich dann wieder guter Dinge. Keine Absage. Es wird getaucht.

Am Montagmorgen überlege ich mir allerdings, bereits im Trockenanzug anzureisen: In Malters regnet es wie aus Kübeln. Nur: Flossen und Kupplung vertragen sich nicht so gut; also doch Regenjacke und Turnschuhe. In Buochs regnet es immer noch, allerdings ist der Himmel nicht mehr so stark bewölkt. Ich bin früh dran und etwas nervös. Als TGH-Neuling möchte ich natürlich nicht gleich auffallen und so eine Übung ist für einen wenig erfahrenen Taucher doch eine Herausforderung. Ich geniesse die nasse Aussicht Richtung Fronalpstock und entspanne. Eigentlich freue ich mich auf diese neue Erfahrung. In so einer Gruppe kann ich nur dazulernen. Jetzt kommen auch die ersten Autos, dann treffen wir uns im Nieselregen auf dem Parkplatz. 17 Taucherinnen und Taucher begrüssen sich herzlich und scherzen über das Wetter, dann ergreift Christian das Wort und entschuldigt sich gleich für die Botschaft, die er liefert: Das SUAT-Boot, das uns abholen sollte, wird nicht kommen, der Kapitän hat aufgrund einer vermeintlichen Sturmwarnung beschlossen, den Hafen von Beckenried nicht zu verlassen. Ein Raunen geht durch die kleine Gruppe – und jetzt? Müssen wir uns tatsächlich auf die Suche nach der Black Pearl, dem Geisterschiff, machen? Christian und Urs, als Organisator, leiten aber gleich Plan B ein: Wir treffen uns zum Theorieteil erstmal im Rössli in Beckenried, dann schauen wir weiter.

Als wir im Trockenen sitzen und Kaffee und Gipfeli geniessen, regnet es draussen kaum mehr. Nun verteilt Christian ein Handout zum Thema Bootstauchen und beginnt mit seinem Vortrag. Als Einführung ein paar deutliche Worte: «Sei ein verantwortungsbewusster, rücksichtsvoller Taucher». Es folgen allgemeine Hinweise, vor allem auch zum Thema Seekrankheit – da kommen bei einigen sicher ein paar Erinnerungen auf. Dann baut Christian seine Präsentation in zwei Teilen auf: 1. Tipps und Regeln an Deck und 2. Tipps und Regeln für den Tauchgang. Ich schaue mich immer wieder um und frage mich, ob die vielen erfahrenen Taucher im Raum auch etwas dazu lernen – hier ein Nicken, da ein Lächeln, alle sind aufmerksam, jeder scheint etwas mitzunehmen und es ist sicher nicht verkehrt, gewisse Sachen auch mal wieder zu hören. Ich lerne viel und muss immer wieder an meine Tauchferien im letzten Herbst in Ägypten zurückdenken, eine nicht nur positive Erfahrung: Da hätte der eine oder andere in unserer Gruppe sicher etwas dazu gelernt – Teamsport, Rücksicht und Hilfsbereitschaft sind Stichwörter, die bei mir besonderen Anklang finden. Christian schliesst ab und erhält einen warmherzigen Applaus für seinen lehrreichen Vortrag. Schön wäre jetzt, die Theorie in die Praxis umsetzen zu können...
Offenbar lässt sich der TGH nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Entscheidungen werden schnell getroffen, wir stehen bald an der Rütenen, es herrscht rege Betriebsamkeit. Ich darf zum ersten Mal in meiner «Tröckeler»-Karriere (stolze neun Tauchgänge) den Buddy wechseln, offensichtlich möchte Urs mal wieder ohne Klotz am Bein tauchen – dass ich so schnell Fortschritte machen konnte, habe ich ihm, seiner Geduld und seiner Erfahrung zu verdanken. Merci Urs. Mit Christian als neuen Buddy fühle ich mich aber auch gleich wohl. Wir sind bald bereit – Buddy-Check, Einwassern, Dreimeter-Check, los geht’s. Wir begeben uns gemütlich auf knapp 30 Meter Tiefe, irgendwann leuchten gespenstisch ein paar Lampen vor uns, dann tauchen wir langsam wieder auf fünf Meter auf und geniessen einen längeren Rückweg zwischen unzähligen Kaulquappen und einigen Fischen. Ich staune immer wieder darüber, wie spannend Seetauchen eigentlich ist: Die Temperaturunterschiede, die schroffe Unterwasserlandschaft und die vielen Details, die ein aufmerksamer Taucher immer wieder entdeckt, machen jeden Tauchgang zum kleinen Abenteuer. Für mich sind die letzten zehn Minuten etwas anstrengend. Tarieren in seichtem Wasser klappt noch nicht so gut und mein Gleichgewicht leidet. Trotzdem tauche ich sehr zufrieden wieder auf: Es war schön, und es klappt immer besser.

Die Mittagspause verbringen wir in Romy’s Seebeizli in Buochs. Inzwischen ist der Himmel viel klarer, der Regen hat sich definitiv abgemeldet und es drückt immer wieder ein schüchterner Sonnenstrahl durch. Das Boot vermissen wir schon ein wenig... Als alle wieder zu Kräften gekommen sind, stellt sich die Frage des zweiten Tauchgangs. Die Harissenbucht in Stansstad erhält am meisten Stimmen. Als wir dort ankommen, müssen wir leider feststellen, dass die Sicht ziemlich schlecht ist. Nun löst sich auch die Crew der Black Pearl auf: Einige wollen nach Birrwil am Hallwilersee, andere zurück nach Beckenried, ein paar sogar zurück nach Hause. Für mich gibt es auf jeden Fall einen zweiten Tauchgang und darüber freue ich mich. Vielleicht entdecken wir sie doch noch, die dunklen Segel des verschollenen Geisterschiffs.


Bericht: David Fouillé